Schon beim Auszug fällt auf, wie selbstverständlich sich der Tatar öffnen lässt. Die Zugkraft baut sich kontrolliert auf und gibt dem Schützen Zeit, in eine stabile Position zu kommen.
Beim Abschuss bleibt dieses ruhige Gefühl erhalten. Der Tatar setzt seine Energie klar und kraftvoll frei und trägt auch Pfeile mit mehr Masse überzeugend aus dem Bogen.
Gerade auf längere Entfernung spielt diese Charakteristik ihre Stärke aus. Der Schuss wirkt gesetzt, nachvollziehbar und konstant – ein Bogen, mit dem man nicht kämpfen muss, sondern arbeiten kann.
Historische Reflexbögen vom krimtatarischen Typ sind bis heute erhalten. Originale aus dem 17. Jahrhundert zeigen eine hoch entwickelte Kompositbauweise aus Holz, Horn und Sehnenmaterial – geschaffen für eine stark vorgespannte Form und eine wirkungsvolle Energieübertragung auf kurzer Gesamtlänge.
Auch zeitgenössische Darstellungen zeigen Krimtataren mit Bogen, Pfeilen und Köcher. Der Bogen war kein dekoratives Beiwerk, sondern Teil einer jahrhundertealten Kultur berittener Bogenschützen zwischen Osteuropa, dem Schwarzen Meer und den großen Steppengebieten Eurasiens.
Mit 149 Zentimetern ist der Tatar deutlich großzügiger gebaut als die extrem kurzen türkischen Formen. Diese Länge gibt dem Auszug Raum und gehört wesentlich zu seinem ruhigen Schusscharakter.
Die ausgeprägten Syahs bilden die steifen äußeren Hebel des Bogens. Über ihren Winkel verändert sich während des Auszugs das Zusammenspiel zwischen Sehne und Wurfarm und damit die Art, wie der Tatar seine Kraft aufbaut.
Das Ergebnis ist kein nervöser Bogen, sondern ein kraftvolles System mit einem langen, kontrollierbaren Arbeitsweg. Genau darin liegt ein wesentlicher Teil seiner Souveränität.
Der Tatar gehört zu den Reiterbögen, die sich nicht nach wenigen Schüssen erschöpfen. Sein weiter Auszug, seine Ruhe und seine Fähigkeit, unterschiedliche Pfeile überzeugend zu tragen, geben dem Schützen viel Raum, den eigenen Schuss zu entwickeln.
Besonders reizvoll ist seine Balance aus Kraft und Kontrolle. Der Bogen fühlt sich substanziell an, ohne schwerfällig zu werden, und bleibt auch dann übersichtlich, wenn der Auszug weiter wird.
Wer Geschwindigkeit ausschließlich über maximale Leichtigkeit definiert, findet andere Bögen. Wer einen souveränen Reiterbogen sucht, der Kraft mit Ruhe verbindet, sollte den Tatar unbedingt in die Hand nehmen.


Jeder Tatar unterscheidet sich in Maserung, Farbton und kleinen handwerklichen Details. Deshalb verstehen wir ihn nicht als austauschbares Produkt, sondern als konkreten Bogen, den du bei uns ansehen, in die Hand nehmen und schießen kannst.
In der einfachen Ausführung bleibt der Griff so, wie der Bogen aus der Werkstatt von Végh zu uns kommt.
Bei unserer Special Edition erhält er einen von uns handgearbeiteten Ledergriff. Material und Ausführung stimmen wir auf das jeweilige Exemplar ab.
VÉGH-ANGABE: empfohlener Auszug 32″, maximaler Auszug 33″.
Beim Tatar ist der weite Auszug kein Nebeneffekt, sondern Teil seines Charakters. Seine längere Bauform gibt dem Schützen Raum, die Bewegung vollständig aufzubauen und den Bogen ruhig bis in den Anker zu führen.
Gerade darin unterscheidet er sich deutlich von den sehr kurzen türkischen Formen: Der Tatar möchte nicht möglichst wenig Weg machen. Er nutzt den Weg.



